Fachbeitrag

DVGW-Kongress 2025: Gas- und Wasserwirtschaft zwischen Infrastruktur und Klimapfad

Der DVGW-Kongress 2025 trifft eine Branche, die Versorgungssicherheit, Wasserstoff, Trinkwasserqualität, Klimaanpassung und Regelsetzung gleichzeitig bearbeiten muss.

Fachliche Illustration zu DVGW-Kongress 2025: Gas- und Wasserwirtschaft zwischen Infrastruktur und Klimapfad
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KONGRESS / GAS UND WASSER
DVGW-Kongress 2025: Gas- und Wasserwirtschaft zwischen Infrastruktur und Klimapfad

Der DVGW-Kongress 2025 trifft eine Branche, die Versorgungssicherheit, Wasserstoff, Trinkwasserqualität, Klimaanpassung und Regelsetzung gleichzeitig bearbeiten muss.

Von Christopher WilmesVeröffentlicht am 27. August 20255 Minuten Lesezeit

Der DVGW-Kongress 2025 trifft eine Branche, die Versorgungssicherheit, Wasserstoff, Trinkwasserqualität, Klimaanpassung und Regelsetzung gleichzeitig bearbeiten muss.

Branchentreffen mit strategischem Gewicht

Der DVGW-Kongress ist mehr als ein Kalendertermin. Er bündelt die Fachdebatten einer Infrastrukturbranche, die im Alltag selten sichtbar ist und im Krisenfall sofort systemrelevant wird. 2025 stehen Gas- und Wasserwirtschaft vor parallelen Transformationen: Beim Gas geht es um Wasserstoff, Wärmeplanung und zukünftige Nutzung. Beim Wasser geht es um Qualität, Menge, Resilienz, Digitalisierung und Klimaanpassung.

Die Verbindung dieser Themen ist kein Zufall. Beide Sparten beruhen auf langlebigen Netzen, hohen Sicherheitsanforderungen und großer öffentlicher Verantwortung. Entscheidungen, die heute getroffen werden, wirken über Jahrzehnte. Deshalb sind Regelwerke, Forschung und Erfahrungsaustausch nicht akademischer Luxus, sondern Teil der Versorgungssicherheit.

Fachliche Einordnung

Für die Gaswirtschaft steht die Differenzierung der Zukunftspfade im Mittelpunkt. Wasserstoff kann für Industrie und bestimmte Anwendungen relevant werden, aber die Verteilnetzebene muss konkrete Nachfrage, technische Umrüstbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit nachweisen. Für die Wasserwirtschaft verschärfen Trockenperioden, Starkregen, demografische Veränderungen und steigende Qualitätsanforderungen den Bedarf an Daten und Risikomanagement.

Aus fachlicher Sicht verbindet beide Sparten ein gemeinsamer Begriff: Integrität. Gasnetze brauchen technische Integrität, wenn sie umgestellt oder transformiert werden. Wassernetze brauchen hydraulische, hygienische und organisatorische Integrität. Digitalisierung unterstützt beides, ersetzt aber nicht die Regelsetzung und die Erfahrung des Betriebspersonals.

Praxisfolgen

Vertiefende Illustration zum Thema Messen, Märkte & Branchenanalyse
Redaktionelle Visualisierung zum Schwerpunkt: Messen, Märkte & Branchenanalyse

• Regelwerksänderungen sollten zeitnah in Betriebsanweisungen, Schulungen und Instandhaltungsprozesse übertragen werden.

• Infrastrukturentscheidungen sind mit Szenarien, Datenqualität und kommunaler Planung zu dokumentieren.

• Gas- und Wasserdatenmodelle sollten als strategische Vermögenswerte behandelt werden.

Fachliche Einordnung

Gas- und Wassernetzbetreiber stehen 2025 vor unterschiedlichen, aber strukturell ähnlichen Fragen: Wie wird eine historisch gewachsene Infrastruktur unter Transformationsdruck priorisiert, digitalisiert und gegenüber Kunden verständlich erklärt? Beim Gas geht es um Wasserstoff, Wärmeplanung und langfristige Nachfrage. Beim Wasser geht es um Versorgungssicherheit, Qualität, Leckage, Klimaanpassung und Datenkompetenz.

Die technische Herausforderung ist dabei selten spektakulär, aber tiefgreifend. Materialien, Armaturen, Druckzonen, Messkonzepte, Fernübertragung, GIS-Daten und Instandhaltungsstrategien müssen zusammengeführt werden. Eine Investitionsentscheidung ist nicht mehr nur eine Bauentscheidung; sie ist eine Aussage über erwartete Nutzung, regulatorische Tragfähigkeit und Resilienz.

Managementperspektive

Die praktische Konsequenz ist ein Wechsel der Prüffrage. Nicht mehr: Welche Komponente erfüllt die Mindestanforderung? Sondern: Welcher Prozess stellt sicher, dass die Mindestanforderung im Betrieb dauerhaft erfüllt bleibt? Diese Frage ist unbequem, weil sie Zuständigkeiten offenlegt. Sie ist aber fachlich notwendig, wenn Anlagen, Netze und Gebäude über Jahre belastbar funktionieren sollen.

Für Führungskräfte wird Fachkommunikation dadurch strategisch. Kunden, Installateure, Planer und interne Abteilungen benötigen keine Werbesprache, sondern nachvollziehbare Entscheidungslogik: Was ist Pflicht, was ist Empfehlung, was ist projektspezifische Auslegung und welche Unsicherheit bleibt? Wer diese Ebenen trennt, schafft Vertrauen und reduziert spätere Konflikte.

Vertiefende Analyse

Gasverteilnetzbetreiber bewegen sich 2025 in einem Spannungsfeld aus Versorgungssicherheit, sinkenden Wärmemengen, Wasserstoffdebatte und kommunaler Wärmeplanung. Die technische Substanz der Netze bleibt hochrelevant, aber ihre künftige Nutzung ist regional unterschiedlich. Ein pauschaler Rückzug wäre fachlich ebenso falsch wie eine unkritische Fortschreibung alter Mengengerüste.

Entscheidend ist die Segmentierung des Netzes. Leitungen, Druckregelanlagen, Hausanschlüsse und Kundencluster müssen danach bewertet werden, welche Rolle sie in einem künftigen Wärme- oder Industriekonzept haben können. Dabei zählen Material, Alter, Druckstufe, Sicherheitsanforderungen, Laststruktur, Ankerkunden und die Nähe zu möglichen Wasserstoff- oder Biomethanquellen.

Technik, Organisation und Regulierung

Für Führungskräfte bedeutet das: Assetmanagement wird politischer und analytischer zugleich. Investitionen in Erneuerung, Instandhaltung oder Stilllegung lassen sich nicht mehr allein aus historischen Verbrauchswerten ableiten. Sie brauchen Szenarien, kommunale Abstimmung und eine nachvollziehbare Begründung, warum ein Netzabschnitt langfristig relevant bleibt oder transformiert werden soll.

Die Wasserstoffperspektive verschärft die Anforderungen an Nachweise. H2-Readiness ist keine Marketingformel, sondern eine technische Prüfgröße. Werkstoffe, Dichtungen, Armaturen, Messung, Odorierung, Regelung und Kundengeräte müssen im konkreten System bewertet werden. Wer früh sauber dokumentiert, schafft Entscheidungsfähigkeit und reduziert spätere Umrüstungsrisiken.

Umsetzung im Betrieb

Gleichzeitig bleibt das Alltagsgeschäft sicherheitskritisch. Leckagekontrolle, Instandhaltungsplanung, Entstörung, Baukoordination und Dokumentation dürfen nicht unter der Transformationsdebatte leiden. Der professionelle Gasnetzbetreiber muss beides leisten: kurzfristige Betriebssicherheit und langfristige strategische Sortierung.

Fachliche Illustration zu DVGW-Kongress 2025: Gas- und Wasserwirtschaft zwischen Infrastruktur und Klimapfad
Die Illustration verbindet Gasnetz, Wasserstofffähigkeit und Transformationspfade zu einer strategischen Infrastrukturperspektive.

Die akademische Perspektive verweist auf Pfadabhängigkeiten. Netzinfrastruktur ist langlebig, kapitalintensiv und räumlich gebunden. Jede Entscheidung über Sanierung, Verdichtung oder Rückbau beeinflusst Optionen für Jahre. Deshalb gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, technische Daten, Wärmeplanung und Unternehmensstrategie methodisch sauber zusammenzuführen.

Führungs- und Risikoperspektive

Für die Einordnung genügt deshalb kein reines Nachrichtenraster. Entscheidend ist, wie die neue Anforderung in einem Betrieb, bei einem Netzbetreiber oder in einer Projektorganisation als wiederholbarer Prozess ankommt. Gute Fachpraxis entsteht nicht durch Kenntnis einzelner Stichworte, sondern durch die Fähigkeit, technische Regeln, Nachweispflichten, Marktrollen und Haftungsfragen in einem belastbaren Ablauf zusammenzuführen.

Akademisch betrachtet handelt es sich um ein soziotechnisches System: Die technische Komponente erzeugt nur dann Nutzen, wenn Zuständigkeiten, Datenqualität, Qualifikation und Kommunikation zusammenpassen. Gerade im Energiesektor zeigt sich 2025, dass Normen und Regulierung zunehmend als Betriebssystem der Transformation wirken. Sie definieren nicht nur Grenzwerte, sondern auch Informationsflüsse und Entscheidungslogiken.

Einordnung für Fachpersonal

Für Führungskräfte ist dabei die Übersetzungsleistung zentral. Aus einer Verordnung, einer Anwendungsregel oder einer Messeinnovation muss eine interne Arbeitsanweisung werden: Wer prüft die Betroffenheit, wer bewertet technische Risiken, wer dokumentiert die Entscheidung und wer kommuniziert sie gegenüber Kunden, Behörden oder Partnerunternehmen? Ohne diese Kette bleibt Fachwissen punktuell und wird im Tagesgeschäft nicht wirksam.

Der professionelle Umgang mit diesen Themen verlangt zudem eine andere Fehlerkultur. In vielen Projekten entstehen Probleme nicht durch grobe Unkenntnis, sondern durch kleine Lücken an Schnittstellen: fehlende Stammdaten, uneinheitliche Anschlussunterlagen, unklare Zuständigkeiten zwischen Planung und Betrieb oder eine Dokumentation, die erst nachträglich rekonstruiert wird. Fachlich robuste Organisationen behandeln solche Schnittstellen wie kritische Infrastruktur.

Recherchebasis und Quellenhinweise

• DVGW: Regelsetzung, Forschung und Kompetenznetzwerk Gas/Wasser (dvgw.de)

• DVGW Kongress 2025 Programmvorschau, Bonn (dvgw-kongress.de)

• Bundesnetzagentur: Wasserstoff-Kernnetz (bundesnetzagentur.de)

• Bundesgesundheitsministerium: Trinkwasserverordnung (bundesgesundheitsministerium.de)

• BMWSB: Kommunale Wärmeplanung und Wärmeplanungsgesetz (bmwsb.bund.de)

Hinweis: Maßgeblich bleiben stets die gültigen Originalfassungen, TAB, Normen und behördlichen Vorgaben.

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Technische Entscheidungen brauchen belastbare Einordnung

Dr.-Ing. Christopher Wilmes verbindet elektrotechnische Fachplanung, Netzbetreiber-/MSB-Praxis und technische Prüfungen. Das Ingenieurbüro besteht seit dem 01.02.2017 und arbeitet entscheidungsorientiert, nachvollziehbar und mit klaren fachlichen Grenzen.

Qualifikation

Dr.-Ing. der Elektrotechnik mit Schwerpunkt auf Energieinfrastruktur, Netzbetrieb, Messstellenbetrieb und anspruchsvollen elektrotechnischen Fragestellungen.

Projektpraxis

Typische Auftraggeber sind Netzbetreiber, Stadtwerke, Messstellenbetreiber, Kommunen, Unternehmen, Bildungsträger und Beteiligte in Schaden- oder Nachweisfragen.

Typische Projektarten

Anschlussbewertung, TAB und §14a, Smart Meter Rollout, PV/Speicher, Ladeinfrastruktur, IT-/OT-Abgrenzung, technische Prüfung und Schulung.

Klare Grenzen

Technische Einordnung, Fachplanung und Schulung ersetzen keine Rechtsberatung, keine Betreiberentscheidung und keine Ausführungsfreigabe ohne Prüfung der konkreten Unterlagen.