IFH/Intherm 2026: SHK und Elektrotechnik wachsen in der Wärmewende zusammen
Die Nürnberger Jubiläumsausgabe zeigte, dass Heizung, Lüftung, Sanitär, Gebäudeautomation und elektrische Infrastruktur im Bestand nicht mehr getrennt geplant werden können.
News-Einordnung
Die IFH/Intherm 2026 fand vom 14. bis 17. April 2026 in Nürnberg statt. Die Messekommunikation stellte die Ausgabe als 50-jähriges Jubiläum und als Branchentreff für SHK-Handwerk, Industrie und Großhandel dar. Branchenmedien berichteten von 37.926 Besucherinnen und Besuchern sowie 416 Ausstellern; diese Kennzahlen stammen nicht direkt aus der offiziellen Messemeldung und werden deshalb als Branchenmedienangabe eingeordnet.
Fachlich ist die Messe relevant, weil die Wärmewende im Bestand die Grenzen zwischen SHK und Elektrotechnik verschiebt. Heizung, Warmwasser, Lüftung, Kühlung, Gebäudeautomation, PV, Speicher und Ladeinfrastruktur greifen zunehmend auf gemeinsame elektrische und digitale Grundlagen zurück.
Fachliche Tiefenschicht
Die Wärmepumpe ist das sichtbarste Beispiel. Sie ist ein thermisches System, benötigt aber elektrische Anschlussleistung, Regelung, Sensorik, eventuell einen Pufferspeicher, angepasste Heizflächen und ein abgestimmtes Nutzerprofil. Wird sie in ein Gebäude mit PV, Speicher und Wallbox eingebunden, wird sie Teil eines Energiemanagementsystems. Die reine Geräteinstallation reicht dann nicht aus.
Lüftung und Raumklima gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Dichte Gebäude benötigen definierte Luftwechsel, Feuchteschutz und Komfortregelung. Gleichzeitig entstehen Anforderungen an Effizienz, Schallschutz, Wartung und Hygiene. Sanitärtechnik verschiebt sich in Richtung Wasserqualität, Leckageerkennung und Ressourceneffizienz. Gebäudeautomation verbindet diese Felder, erzeugt aber nur dann Nutzen, wenn Datenpunkte, Regelstrategien und Verantwortlichkeiten klar sind.
Die IFH/Intherm 2026 zeigte deshalb eine organisatorische Herausforderung. SHK- und Elektrogewerke müssen früher zusammenarbeiten. Im Bestand entscheidet oft der schwächste Anschluss: zu kleine elektrische Reserven, ungeeignete Heizflächen, fehlende Datenleitungen, falsche Hydraulik oder unklare Betreiberverantwortung. Die Qualität der Wärmewende hängt nicht nur am Produkt, sondern an der Schnittstellenplanung.
Transfer in Netzbetrieb, MSB, Elektrohandwerk und Gebäudetechnik
Für Netzbetreiber sind Wärmepumpen relevante neue Lasten. Für Messstellenbetreiber werden intelligente Messsysteme und Steuerbarkeit wichtiger. Für das Elektrohandwerk entstehen Leistungen rund um Anschluss, Zählerplatz, Lastmanagement, Kommunikation, PV-Integration und Dokumentation. Für SHK-Betriebe wird elektrotechnisches Grundverständnis strategisch, auch wenn bestimmte Arbeiten weiterhin konzessionierten Fachkräften vorbehalten sind.
Gebäudetechnikplaner müssen Wärme-, Kälte-, Lüftungs- und Elektrokonzepte zusammenführen. Ein Sanierungsprojekt, das SHK und Elektro nacheinander plant, erzeugt Nachträge. Ein integrierter Ablauf kann dagegen Netzanschluss, Hydraulik, Regelung und Nutzerbetrieb zusammen optimieren.
Operative Agenda
- Wärmepumpenprojekte mit Heizlast, Hydraulik, Elektroanlage und Netzanschluss gemeinsam bewerten.
- Schnittstellen zwischen SHK, Elektro und Gebäudeautomation in Angeboten klar definieren.
- Datenpunkte und Regelstrategien vor der Inbetriebnahme festlegen.
- Betreiber in Bedienung, Wartung und Verbrauchsmonitoring einweisen.
- Branchenmedien-Kennzahlen von offiziellen Veranstalterangaben getrennt dokumentieren.
Redaktionelle Bewertung
Die IFH/Intherm 2026 zeigte die praktische Seite der Wärmewende. Der Markt entsteht nicht allein durch neue Heizgeräte, sondern durch integrierte Gebäudesysteme. SHK und Elektrotechnik wachsen nicht organisatorisch automatisch zusammen. Genau deshalb wird Schnittstellenkompetenz zur entscheidenden Fachqualität.
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